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Artikel aus dem "quadrat": "Hier bin ich wer!"

02.10.2018

Seit 21 Jahren hilft die Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e.V. demenzkranken Menschen und ihren Angehörigen. Für ihre Betreuungsgruppen wird ab sofort ehrenamtliche Unterstützung im Fahr- und Betreuungsdienst gesucht!

Von Udo Gast

 

Wer kennt das nicht, die Suche nach der Geldbörse oder dem verlegten Schlüssel? Wie war doch gleich der Name meines Gegenübers? Kein Grund zur Sorge. Das ist völlig normal. Wenn jedoch der Verlust der geistigen Fähigkeiten das Leben beeinträchtigt und den eigenen Aktionsradius einschränkt, dann benötigen wir Hilfe. Die steigende Lebenserwartung in den westlichen Industrieländern bringt auch einen Anstieg der Demenzerkrankungen mit sich; und dies betrifft nicht nur Senioren. „Oft sind die Familienmitglieder völlig erschöpft von der täglichen Betreuung rund um die Uhr. Wir sind die Entlastung für die Angehörigen, die endlich einmal Zeit für ihre Aufgaben und Beschäftigungen brauchen!“ schildert Theresia Hohlbein. Seit 2008 widmet sie sich jede Woche mittwochs und freitags den Gästen in der Alzheimer Gesellschaft Lüneburg e.V., die in der Apfelallee 3A in Lüneburg ihren Sitz hat. Man spricht nicht von Betroffenen oder Demenzkranken. Wertschätzung erfährt man als so genannter Gast. Etwa 20 ehrenamtliche Helfer engagieren sich in drei Gruppen mit etwa acht Gästen oder in der häuslichen Entlastung. „Das sind viel zu wenig!“ wirft Petra Schatz ein. Sie gehört zu den drei hauptamtlichen Mitarbeitern der Geschäftsstelle. „Wir brauchen einfach mehr Menschen, die sich engagieren. Dabei sind die Voraussetzungen denkbar gering. Geduld, Einfühlungsvermögen und etwas regelmäßige Zeit reichen da schon aus, um unsere Arbeit maßgeblich zu unterstützen.“ Dipl. Sozialpädagogin Julia Steckelberg, Leiterin der Geschäftsstelle, weist auf einen deutlichen Mehrbedarf an ehrenamtlichen Mitarbeitern hin.


„WENN WIR VON UNSEREN GÄSTEN HÖREN, DASS WIR IHNEN EINEN SCHÖNEN TAG
BEREITET HABEN, DANN ERFÜLLT DIES UNS MIT GLÜCK UND STOLZ.“

 

„Wir brauchen dringend engagierte Menschen, die uns in unserer Arbeit unterstützen. Ehrenamtliche, die als Fahrer die Gäste in die Geschäftsstelle bringen, gerne auch Interessierte, die unsere Gruppen mitbetreuen.“ Der zeitliche Umfang kann flexibel gestaltet werden. Eine Aufwandsentschädigung wird ebenfalls gezahlt, Schulungen und eine fachliche Begleitung stehen zur Verfügung. Derzeit herrscht ein deutlicher Mangel, der es den Mitarbeitern erschwert, das umfangreiche Programm verlässlich anzubieten – und das Angebot der Alzheimer Gesellschaft ist vielfältig. Neben der Gruppenbetreuung gibt es Selbsthilfegruppen für Angehörige und einen HelferInnenkreis für die Entlastung zu Hause. Auch Hans Klingbeil unterstützt mit viel Engagement seit Januar 2018 das Team. „In meinem Ruhestand habe ich etwas gesucht, das mich erfüllt. So bin ich bei der Alzheimer Gesellschaft im Fahrdienst gelandet. Anfangs war es schon etwas ungewohnt, doch man entwickelt Verständnis für diese Krankheit, die noch viel zu sehr tabuisiert wird. Wenn die meisten Gäste auch meinen Namen nicht wissen, so freuen sich doch, wenn ich sie fahre“, so der ehemalige Lokführer.

 

„WIR SUCHEN DRINGEND ENGAGIERTE MENSCHEN, DIE UNS ALS FAHRER ODER IN DER GRUPPENBETREUUNG UNTERSTÜTZEN.“


„Wir geben unseren Gästen in der Gruppenbetreuung Struktur. Das beginnt mit dem Frühstück, es werden Spaziergänge unternommen, Gesellschafts- oder Ratespiele gespielt. Auch beim Tanzen und Singen fühlen sich die Teilnehmer wohl. Wer ein Mittagsschläfchen halten will, der kann auch das ungestört tun“, berichtet Frau Hohlbein. Manchmal werden aus Angehörigen von Demenzkranken ehrenamtliche Helfer. Andere werden durch eine Veranstaltung wie die regelmäßigen Gottesdienste unter dem Motto „Vergiss mein nicht“ oder durch die Kaffeekonzerte im Glockenhaus auf die Lüneburger Alzheimer Gesellschaft aufmerksam. Berührende Ereignisse geben Mut zum Weitermachen. So zitiert Theresia Hohlbein die Aussage einer über 90-jährigen demenzkranken Dame mit den Worten: „Hier bin ich wer!“ „Sie hat ihre Zeit bis kurz vor ihrem 100. Geburtstag bei uns verbracht. Wir begleiten die Menschen oft sehr lange, und wenn jemand geht, dann zerreißt es uns das Herz. Doch wenn wir von unseren Gästen hören, dass wir ihnen einen schönen Tag bereitet haben, dann erfüllt es uns mit Glück und Stolz.“

Sie wollen mehr über die Lüneburger Alzheimergesellschaft erfahren und sich vielleicht selbst engagieren? Melden Sie sich gerne in der Geschäftsstelle bei Julia Steckelberg unter (04131) 766656 oder informieren Sie sich unter www.alzheimer- lueneburg.de.

 

Artikel aus dem "quadrat", Oktober 2018

 

Foto: Bild zum Artikel "quadrat", Oktober 2018